Von der Mittelschichtsideologie kann man sich zwar nichts kaufen, weder Brot noch Obdach, aber verblendet sein kann man davon.
Aktuelle Daten
Das DIW Berlin stellte im Juni 2010 fest:
Nur 60 Prozent der Menschen in Deutschland gehören noch zur Mittelschicht, mit Nettoeinkommen zwischen 860 und 1.844 Euro. (...) Stark gestiegen ist vor allem die Zahl der Menschen mit niedrigem Einkommen, von 18 Prozent 2000 auf fast 22 Prozent 2009. Zudem steigt die Zahl der Menschen mit Niedrigeinkommen nicht nur immer mehr an – diese Gruppe verdient auch in absoluten Zahlen immer weniger: Verdiente ein Singlehaushalt der unteren Einkommensgruppe 2000 im Schnitt noch 680 Euro, waren es 2008 nur noch 645 Euro.
Hier wird gleich mehrerlei deutlich:
- Zur Mittelschicht zu gehören, hat nichts mit Wohlstand zu tun. Entscheidend ist, wie die Löhne sich allgemein entwicklen - sinken sie, dann sinkt auch die Mittelschicht. Heute ist man mit 860 Euro / Monat also schon Mittelschicht. Ob man davon was hat, ist fraglich. Sollte man sich darauf was einbilden? - Besser nicht, denn morgen könnte man schon Unterschicht sein. Denn:
- Die Mittelschicht schrumpft: Teile der Mittelschicht mutieren kontinuierlich zur Unterschicht. Das passiert, wenn Menschen, die zur Mittelschicht gehören, nicht nur "normale" Lohnsenkungen in Kauf nehmen "müssen", sondern diese überproportional sind. Die Mittelschicht rutscht so kontinuierlich unter die Armutsgrenze. Das heißt:
- Der Übergang von der Mittelschicht zur Unterschicht ist fließend. Wenn man 859 Euro verdient, ist man Unterschicht, wenn man nur 2 Euro mehr verdient, Mittelschicht. Und darüber, wie viel man verdient, entscheiden die Unternehmen, die gerne Löhne senken, da Löhne immer ein Abzug vom Gewinn sind.
Wichtig ist auch, zu wissen: Im gleichen Zeitraum wurde die Lohnsteuer in Deutschland gesenkt. Das heißt, die zunehmende Verarmung der Bevölkerung hat nichts mit den Steuern zu tun, sondern damit, dass Unternehmen die Löhne immer weiter drücken, weil sie in ihrem Profitstreben kein Maß kennen.